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Fellowship Tanguy Donnet

07.03.2025

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Von Januar 2024 bis Februar 2025 durften wir Herr Donnet an unserer Fakultät als Fellow von Prof. Dr. Bernd Bastert in der germanistischen Mediävistik mit seinem innovativen Promotionsprojekt begrüßen

Herr Donnet ist seit September 2022 Promovend an der Université de Lausanne. In seinem Promotionsprojekt „Verlorene Erzählwelten. Fragmentarisch überlieferte Artusromane des deutschsprachigen Mittelalters. Edition, Untersuchung, gattungsgeschichtliche Perspektiven“ setzt er sich intensiv mit der kritischen Edition von bisher noch nicht oder nur sehr selten beachteten und teilweise neu entdeckten Fragmenten aus dem Artusstoffkreis der deutsch- sowie französischsprachigen Mediävistik auseinander. Der Artusroman gehört zu den meistuntersuchten Gattungen der mittelalterlichen deutschen Literatur des 12. und 13. Jahrhunderts. Die kanonischen Texte wie Hartmanns von Aue ‚Erec‘ und ‚Iwein‘ oder Wolframs von Eschenbach ‚Parzival‘ sind, wie auch die in den letzten Jahrzehnten zunehmend erschlossenen sogenannten ‚nachklassischen‘ Romane, in vollständigen oder annähernd vollständigen Handschriften erhalten. Daneben liegt jedoch ein Korpus von mindestens acht fragmentarisch überlieferten Artusromanen aus dem 13. Jahrhundert vor, die mit einzelnen Ausnahmen in der Forschung kaum Beachtung fanden – „verlorene Erzählwelten“, die gleichermaßen eine Blindstelle und ein methodisches Problem der mediävistischen Literaturgeschichtsschreibung bilden: ‚Blanschandin‘, ‚Edolanz‘, der ‚Mitteldeutsche Erec‘, ‚Kliges‘, der ‚Loccumer Artusroman‘, ‚Manuel und Amande‘, ‚Parcheval‘, ‚Segremors‘; möglicherweise sind auch ‚Der Mantel‘, bei dem es sich allerdings um das Fragment einer kürzeren Erzählung handeln könnte, sowie Abor und das Meerweib‘, deren Gattungszugehörigkeit unklar ist, hinzuzurechnen. Mit Ausnahme des kürzlich neu edierten ‚Parcheval‘, des ‚Mantels‘ und des ‚Mitteldeutschen Erec‘ liegt für keines dieser Romanfragmente eine neueren wissenschaftlichen Ansprüchen genügende Edition vor. Im Rahmen seines geplanten Dissertationsprojekts soll das Korpus der fragmentarisch überlieferten Artusromane in einer zweisprachigen Studienausgabe editorisch aufbereitet und literaturgeschichtlich neu erschlossen werden, um anschließend die Gattungsentwicklung des deutschsprachigen Artusromans auf veränderter Grundlage neu zu diskutieren. Dabei legt Herr Donnet besonderen Wert auf die komparatistische Perspektive. Die Mehrzahl der Romane verarbeitet oder bezieht sich auf französischsprachige Vorlagen, darunter solche, die in der germanistischen Fachdiskussion bisher kaum eine Rolle gespielt haben. Für die literatur- und gattungsgeschichtliche Erschließung des erweiterten deutschsprachigen Korpus ist es daher unerlässlich, nicht nur die französischen Quellen, sondern auch Forschungsergebnisse der französischsprachigen romanistischen Mediävistik einzubeziehen.

Unterstützung findet er dabei bei seiner Erstbetreuerin Dr. Christine Putzo, ebenfalls von der Université de Lausanne, sowie seinem Zweitbetreuer Prof. Dr. Bernd Bastert, Mediävist am Germanistischen Institut der Fakultät für Philologie (RUB). Die Promotion in der Schweiz und das Stipendium des Schweizerischen Nationalfonds (SNF) sehen dabei einen mindestens einjährigen Aufenthalt an eben jener Universität des Zweitbetreuers vor, um die jungen Forscher*innen in ihren Netzwerkbestrebungen und wissenschaftlicher Methodenentwicklung zu fordern und fördern. Und so ergab sich in den vergangenen 12 Monaten ein intensiver Austausch zwischen der Schweiz und Bochum, wobei sich eben auch für die Studierenden der germanistischen Mediävistik ein spannender Einblick in den forscherischen Alltag an Schweizer Universitäten durch Herr Donnet bot.

Die Fakultät für Philologie wünscht Herr Donnet weiterhin viel Erfolg für sein Promotionsprojekt und freut sich auf weitere produktive Besuche.

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Von Januar 2024 bis Februar 2025 durften wir Herr Donnet an unserer Fakultät als Fellow von Prof. Dr. Bernd Bastert in der germanistischen Mediävistik mit seinem innovativen Promotionsprojekt begrüßen

Herr Donnet ist seit September 2022 Promovend an der Université de Lausanne. In seinem Promotionsprojekt „Verlorene Erzählwelten. Fragmentarisch überlieferte Artusromane des deutschsprachigen Mittelalters. Edition, Untersuchung, gattungsgeschichtliche Perspektiven“ setzt er sich intensiv mit der kritischen Edition von bisher noch nicht oder nur sehr selten beachteten und teilweise neu entdeckten Fragmenten aus dem Artusstoffkreis der deutsch- sowie französischsprachigen Mediävistik auseinander. Der Artusroman gehört zu den meistuntersuchten Gattungen der mittelalterlichen deutschen Literatur des 12. und 13. Jahrhunderts. Die kanonischen Texte wie Hartmanns von Aue ‚Erec‘ und ‚Iwein‘ oder Wolframs von Eschenbach ‚Parzival‘ sind, wie auch die in den letzten Jahrzehnten zunehmend erschlossenen sogenannten ‚nachklassischen‘ Romane, in vollständigen oder annähernd vollständigen Handschriften erhalten. Daneben liegt jedoch ein Korpus von mindestens acht fragmentarisch überlieferten Artusromanen aus dem 13. Jahrhundert vor, die mit einzelnen Ausnahmen in der Forschung kaum Beachtung fanden – „verlorene Erzählwelten“, die gleichermaßen eine Blindstelle und ein methodisches Problem der mediävistischen Literaturgeschichtsschreibung bilden: ‚Blanschandin‘, ‚Edolanz‘, der ‚Mitteldeutsche Erec‘, ‚Kliges‘, der ‚Loccumer Artusroman‘, ‚Manuel und Amande‘, ‚Parcheval‘, ‚Segremors‘; möglicherweise sind auch ‚Der Mantel‘, bei dem es sich allerdings um das Fragment einer kürzeren Erzählung handeln könnte, sowie Abor und das Meerweib‘, deren Gattungszugehörigkeit unklar ist, hinzuzurechnen. Mit Ausnahme des kürzlich neu edierten ‚Parcheval‘, des ‚Mantels‘ und des ‚Mitteldeutschen Erec‘ liegt für keines dieser Romanfragmente eine neueren wissenschaftlichen Ansprüchen genügende Edition vor. Im Rahmen seines geplanten Dissertationsprojekts soll das Korpus der fragmentarisch überlieferten Artusromane in einer zweisprachigen Studienausgabe editorisch aufbereitet und literaturgeschichtlich neu erschlossen werden, um anschließend die Gattungsentwicklung des deutschsprachigen Artusromans auf veränderter Grundlage neu zu diskutieren. Dabei legt Herr Donnet besonderen Wert auf die komparatistische Perspektive. Die Mehrzahl der Romane verarbeitet oder bezieht sich auf französischsprachige Vorlagen, darunter solche, die in der germanistischen Fachdiskussion bisher kaum eine Rolle gespielt haben. Für die literatur- und gattungsgeschichtliche Erschließung des erweiterten deutschsprachigen Korpus ist es daher unerlässlich, nicht nur die französischen Quellen, sondern auch Forschungsergebnisse der französischsprachigen romanistischen Mediävistik einzubeziehen.

Unterstützung findet er dabei bei seiner Erstbetreuerin Dr. Christine Putzo, ebenfalls von der Université de Lausanne, sowie seinem Zweitbetreuer Prof. Dr. Bernd Bastert, Mediävist am Germanistischen Institut der Fakultät für Philologie (RUB). Die Promotion in der Schweiz und das Stipendium des Schweizerischen Nationalfonds (SNF) sehen dabei einen mindestens einjährigen Aufenthalt an eben jener Universität des Zweitbetreuers vor, um die jungen Forscher*innen in ihren Netzwerkbestrebungen und wissenschaftlicher Methodenentwicklung zu fordern und fördern. Und so ergab sich in den vergangenen 12 Monaten ein intensiver Austausch zwischen der Schweiz und Bochum, wobei sich eben auch für die Studierenden der germanistischen Mediävistik ein spannender Einblick in den forscherischen Alltag an Schweizer Universitäten durch Herr Donnet bot.

Die Fakultät für Philologie wünscht Herr Donnet weiterhin viel Erfolg für sein Promotionsprojekt und freut sich auf weitere produktive Besuche.